Typologie der Chatbots - Der Rechtskontrolleur (Teil 1)

Der Einsatz von Chatbots zur Vereinfachung von allgemeinen und spezifischen Prozessen ist in den unterschiedlichsten beruflichen, öffentlichen und privaten Bereichen denkbar. In unserer Blogreihe "Typologie der Chatbots" wollen wir Ihnen einige spezielle und unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten von Chatbots vorstellen: 

  • Der Automatisierer
  • Der Organisator
  • Der Texter
  • Der Wahlhelfer
  • Der Personalfinder

Im ersten Teil unserer Blogreihe möchten wir Ihnen vorstellen, wie ein Chatbot Ihre Behörde als virtueller Rechtskontrolleur unterstützen kann.

Der Rechtskontrolleur in der Privatwirtschaft

In der Privatwirtschaft wird der Einsatz von Chatbots als virtuelle Rechtsberater und –überprüfer bereits getestet. In diesem Sinne setzen sich beim Legal-Tech-Hackathon im Feburar Juristen und Programmierer zusammen. Das Ergebnis waren dabei zwei Prototypen: Der erste für den rechts-suchenden Bürger, der zweite für die Optimierung der Arbeitsorganisation in Anwaltskanzleien. Ein Team aus der Ukraine entwickelte beispielsweise einen Chatbot namens „Consumranger“. Er läuft über Telegram und erstellt anhand von abgefragten Nutzerdaten ein rechtliches Schreiben, welches dem Anwalt lediglich zum Unterzeichnen vorgelegt werden muss. Den ersten Platz des Legal-Tech-Hackathons belegte die virtuelle Kanzlei-Assistentin "RenoJane". Durch sie können Anwälte bestimmte Kanzlei-Software via Sprachbefehl steuern. Das Entwickler-Team griff dabei auf Apples Siri als Schnittstelle zurück. Während der Präsentation trug RenoJane Termine ein und übernahm das Mandanten-Management. Bei einer Anwaltskanzlei in Passau ist der erste virtuelle Rechtsberater, der RATISBOT, bereits im Einsatz und kann getestet werden.

E-Government: Virtuelle Rechtskontrolleure im Einsatz für die Öffentliche Verwaltung

Der Einsatz solcher Rechts-Chatbots ist auch denkbar für Behörden aller Art, allerdings ist der Gedanke dabei ähnlich wie bei den privat-wirtschaftlichen Versuchen, dass damit keine juristische Beratung ersetzt werden soll oder kann. Vielmehr ist der Gedanke, eine Vorab-Überprüfung von formalen Dokumenten aller Art anzubieten und damit den Gesamtprozess zu optimieren. So könnte ein Bürger beispielsweise im Rahmen von baurechtlichen Anliegen seine Unterlagen vor Antragstellung auf Vollständigkeit und inhaltliche Richtigkeit überprüfen lassen. Auf beiden Seiten käme es so zu einer enormen Zeit- und Frust-Ersparnis: Die Behörde muss keine Arbeitskraft an diese automatisierten Vorgänge binden und der Bürger spart sich womöglich einen kompletten Behördengang. Dadurch, dass der GovBot sein Expertenwissen aus offenen Daten bezieht, ist sein Einsatz als Rechtskontrolleur in der Öffentlichen Verwaltung als weiterer Anwendungsbereich denkbar. Sämtliche Gesetze liegen als offene Daten vor und auch eine Vielzahl von öffentlichen Verträgen ist bereits öffentlich zugänglich. Durch Vereinbarungen wie beispielsweise dem Open-Government-Pakt wird die Transparenz von Daten, welche rechtliche Relevanz besitzen, zukünftig voranschreiten. Hiervon kann der Chatbot als Rechtskontrolleur vollumfänglich profitieren.